Familienaufstellungen BerlinNatalia Spurman · Prenzlauer Berg
Ratgeber

Aufstellung auf Russisch in Berlin: warum die Muttersprache zählt

Viele Menschen in Berlin leben seit Jahren oder Jahrzehnten auf Deutsch – im Beruf, mit Freunden, manchmal sogar in der eigenen Partnerschaft. Und trotzdem merken sie: Wenn es um die Mutter, den Großvater oder die Familiengeschichte geht, fehlen auf Deutsch plötzlich die passenden Worte. Eine Aufstellung auf Russisch kann dann einen anderen Zugang eröffnen. Ich biete Aufstellungen in Berlin auf Deutsch und auf Russisch an. In diesem Artikel erkläre ich, warum die Muttersprache bei Familienthemen oft einen Unterschied macht.

Gefühle sprechen die Sprache, in der sie entstanden sind

Was wir als Kinder erlebt haben, ist eng mit der Sprache verbunden, in der es damals gesprochen wurde. Ein Kosename der Großmutter, ein strenger Satz des Vaters, ein Lied, das die Mutter gesungen hat – all das ist in der Erinnerung oft wortwörtlich gespeichert. Wer so etwas ins Deutsche übersetzt, verliert manchmal genau die Färbung, die es bedeutsam macht. „Доченька“ ist eben nicht einfach „Tochter“.

In einer Aufstellung geht es um Beziehungen und um das, was in ihnen spürbar wird. Wenn Sie Ihre Gefühle in der Sprache ausdrücken können, in der sie entstanden sind, kommt man ihnen oft näher. Manche Menschen sind selbst überrascht, wie anders es sich anfühlt, einen Satz auf Russisch auszusprechen, den sie auf Deutsch mühelos sagen könnten.

Familiengeschichte, die man nicht erst erklären muss

Viele Familien mit Wurzeln in der ehemaligen Sowjetunion tragen Erfahrungen in sich, die eine eigene Geschichte haben: Krieg, Repressionen, Umsiedlungen, Mangel, Schweigen über bestimmte Verwandte, die Auswanderung nach Deutschland. Dazu kommen Familienregeln und Redewendungen, die man in diesem kulturellen Umfeld sofort versteht – etwa die Erwartung, stark zu sein und nicht zu klagen.

Wenn Sie das alles nicht erst übersetzen und erklären müssen, bleibt mehr Raum für das, worum es eigentlich geht. Ich bin 1975 in Kaliningrad geboren, Russisch ist meine Muttersprache, und ich lebe seit 2001 in Berlin. Ich kenne beide Welten – und auch das Dazwischen, in dem viele Menschen mit Migrationsgeschichte leben. Mehr zu diesem Thema lesen Sie im Artikel Migration in der Familiengeschichte.

Ein typisches Beispiel

Die folgende Schilderung ist ein zusammengesetztes, typisches Beispiel und beschreibt keine reale Person. Eine Frau Ende dreißig ist mit zwölf Jahren aus Omsk nach Deutschland gekommen. Sie spricht fließend Deutsch, arbeitet als Ingenieurin und kommt mit dem Anliegen, sich gegenüber ihrer Mutter besser abgrenzen zu können. Im Vorgespräch auf Deutsch bleibt sie sachlich und ruhig. Als sie in der Aufstellung auf dem Platz ihrer Mutter steht und ich sie bitte, auszusprechen, was ihr in den Sinn kommt, sagt sie spontan einen Satz auf Russisch – einen Satz, den sie aus ihrer Kindheit kennt. In diesem Moment wird sie still und sichtlich bewegt. Von da an sprechen wir überwiegend Russisch weiter, und das Thema bekommt eine ganz andere Tiefe.

Zweisprachig ist auch in Ordnung

Sie müssen sich nicht für eine Sprache entscheiden. Viele zweisprachige Menschen wechseln während einer Sitzung zwischen Deutsch und Russisch hin und her – je nachdem, worüber sie gerade sprechen. Das ist völlig in Ordnung und oft sogar aufschlussreich. Manchmal zeigt gerade der Wechsel der Sprache, wo ein Thema näher geht oder wo man lieber etwas Abstand halten möchte.

Gerade für Menschen, die als Kinder nach Deutschland gekommen sind, ist das häufig der natürlichste Weg: Über den Alltag spricht man auf Deutsch, aber die Großmutter spricht in der Erinnerung Russisch.

Wie eine Aufstellung auf Russisch abläuft

Am Ablauf selbst ändert die Sprache nichts. Im Einzelsetting arbeite ich mit Figuren, Bodenankern oder Kissen. Ihre Familie muss nicht dabei sein. Wir beginnen mit Ihrem Anliegen, stellen die beteiligten Personen oder Themen im Raum auf und schauen gemeinsam, was sichtbar wird. Auch Paaraufstellungen sind auf Russisch möglich, zu zweit oder allein.

Die Sitzungen finden in meiner Praxis in der Schliemannstraße 41 in Berlin-Prenzlauer Berg statt, derzeit sonntags zwischen 9 und 17 Uhr. Eine Sitzung von 55 Minuten kostet 90 Euro, 90 Minuten 120 Euro und 120 Minuten 160 Euro – unabhängig von der Sprache. Weitere Details zu Preisen und Paketen finden Sie unter Kosten. Ich arbeite ausschließlich mit Selbstzahlenden und Privatversicherten; an Krankenkassen wird nichts gemeldet.

Für wen das passen kann

  • für Menschen, deren Familiengeschichte in Russland, der Ukraine, Belarus, Kasachstan oder anderen Ländern der ehemaligen Sowjetunion beginnt
  • für alle, die über Gefühle und Familie leichter auf Russisch sprechen
  • für Zweisprachige, die beide Sprachen nutzen möchten
  • für Paare, in denen beide oder eine Person Russisch als Muttersprache haben

Ob eine Aufstellung für Ihr Anliegen der richtige Weg ist, klären wir vorab gemeinsam. Eine Aufstellung ist eine erfahrungsorientierte Methode und ersetzt keine Psychotherapie, wenn diese nötig ist.

Auf Deutsch oder auf Russisch – wie es für Sie passt
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