Familienaufstellungen BerlinNatalia Spurman · Prenzlauer Berg
Ratgeber

Aufstellung, Psychotherapie – oder beides?

„Brauche ich eine Therapie, oder reicht eine Aufstellung?“ Diese Frage stellen mir viele Menschen im ersten Gespräch. Manche haben von einer Freundin gehört, dass eine einzige Familienaufstellung bei ihr viel in Bewegung gebracht hat. Andere sind seit Jahren in Psychotherapie und fragen sich, ob ein anderer Zugang ihnen neue Impulse geben könnte. Die Antwort auf die Frage Aufstellung oder Psychotherapie ist selten ein klares Entweder-oder. Beide Ansätze arbeiten unterschiedlich, haben unterschiedliche Stärken und Grenzen – und sie können sich gut ergänzen. In diesem Artikel beschreibe ich, wie ich als Heilpraktikerin für Psychotherapie, die tiefenpsychologisch und psychoanalytisch arbeitet und zugleich Aufstellungen anbietet, die beiden Wege sehe.

Zwei Zugänge zur gleichen Frage

Sowohl die Aufstellungsarbeit als auch die Psychotherapie beschäftigen sich mit der Frage, warum wir so fühlen, denken und handeln, wie wir es tun – und was uns helfen könnte, damit freier umzugehen. Der Weg dorthin ist aber verschieden.

Eine Psychotherapie ist ein Prozess über viele Wochen oder Monate. Im regelmäßigen Gespräch entsteht eine therapeutische Beziehung, in der sich alte Muster wiederholen und verstehen lassen dürfen. In der tiefenpsychologischen Arbeit schauen wir zum Beispiel darauf, wie frühe Erfahrungen das heutige Erleben prägen, welche Konflikte unbewusst wirken und wie sie sich in Beziehungen zeigen. Veränderung geschieht hier meist langsam, Schritt für Schritt.

Eine Aufstellung ist dagegen konzentrierter. Ein Anliegen wird im Raum sichtbar gemacht – mit Stellvertreter:innen in der Gruppe oder mit Figuren und Bodenankern im Einzelsetting. Innerhalb einer Sitzung entsteht ein Bild des Systems, das oft sehr eindrücklich ist. Es geht weniger um die Beziehung zu mir als Begleiterin, sondern um die Beziehungen im System: in der Familie, in der Partnerschaft, im Beruf oder sogar zwischen Ihnen und einem Symptom. Wie das genau funktioniert, lesen Sie auf der Seite Systemaufstellung.

Was eine Aufstellung gut kann

Aus meiner Erfahrung sind Aufstellungen besonders dann hilfreich, wenn Menschen spüren, dass etwas „in der Familie liegt“, sie es aber nicht greifen können. Ein Bild im Raum kann Zusammenhänge zeigen, die im Gespräch lange verborgen bleiben: wer zu wem schaut, wer fehlt, wo jemand zu viel Verantwortung trägt. Das Erleben geschieht dabei nicht nur im Kopf, sondern auch körperlich – man steht auf einem Platz und spürt, wie es sich dort anfühlt.

Typische Anliegen für eine Aufstellung sind zum Beispiel:

  • eine konkrete Frage oder Entscheidung, bei der man nicht weiterkommt,
  • wiederkehrende Muster in Beziehungen oder im Beruf,
  • das Gefühl, einen Platz in der Familie nicht zu finden,
  • Themen aus der Familiengeschichte wie Migration, Krieg, frühe Verluste oder Geheimnisse,
  • der Wunsch nach einem neuen Blick auf die Beziehung zu den Eltern.

Eine Aufstellung ist dabei eher ein Impuls als ein Prozess. Sie kann etwas anstoßen, das danach weiterwirkt. Wie wichtig die Zeit nach einer Aufstellung ist, beschreibe ich im Artikel Nach der Aufstellung: Wie sich Erlebtes setzen darf.

Was eine Psychotherapie gut kann

Eine Psychotherapie bietet etwas, das eine einzelne Aufstellung nicht leisten kann: Kontinuität. Über viele Sitzungen hinweg entsteht ein verlässlicher Raum, in dem auch schwierige Gefühle, Rückschläge und Widersprüche Platz haben. Gerade bei tief verwurzelten Mustern, bei lang anhaltender Niedergeschlagenheit, bei Ängsten oder nach belastenden Erfahrungen braucht Veränderung oft Zeit und eine stabile Beziehung, in der sie geschehen kann.

In der tiefenpsychologischen und psychoanalytischen Arbeit ist gerade die Beziehung zwischen Klient:in und Therapeut:in ein wichtiges Werkzeug. Was in früheren Beziehungen erlebt wurde, zeigt sich oft auch hier – und kann in einem geschützten Rahmen verstanden und neu erfahren werden. Das ist ein langsamerer, aber auch tiefer gehender Weg. Wenn Sie sich für meine Arbeit im Bereich der Einzeltherapie interessieren, finden Sie auf meiner Praxisseite mehr zur tiefenpsychologischen Einzeltherapie.

Grenzen der Aufstellungsarbeit

Ich möchte offen und transparent sein: Aufstellungsarbeit ist eine erfahrungsorientierte Methode, deren wissenschaftliche Grundlage bisher begrenzt ist. Sie kann wertvolle Erkenntnisse ermöglichen, aber sie ist kein Ersatz für eine Psychotherapie, wenn eine psychische Erkrankung vorliegt, und erst recht kein Ersatz für ärztliche Behandlung.

Es gibt Situationen, in denen ich von einer Aufstellung abrate oder empfehle, zunächst etwas anderes zu tun:

  • bei akuten Krisen, starker Hoffnungslosigkeit oder Suizidgedanken,
  • bei schweren Traumafolgen, solange keine ausreichende Stabilität da ist,
  • bei psychotischem Erleben,
  • bei aktiver Suchterkrankung ohne begleitende Behandlung.

Aufstellungsarbeit ist keine Krisenintervention. Wenn Sie sich gerade in einer akuten seelischen Krise befinden, wenden Sie sich bitte an den Berliner Krisendienst unter 030 390 63 00 oder an die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 – beide sind rund um die Uhr erreichbar.

Wann beides zusammen sinnvoll sein kann

In vielen Fällen ist die Frage nicht „Aufstellung oder Psychotherapie“, sondern „Aufstellung und Psychotherapie“. Die beiden Ansätze können sich gegenseitig bereichern.

Aufstellung als Impuls in einer laufenden Therapie

Manche Menschen, die bereits in Psychotherapie sind, erleben an einem bestimmten Punkt, dass sie sich im Kreis drehen. Sie verstehen vieles, aber etwas bleibt unbewegt. Eine Aufstellung kann dann einen neuen Blickwinkel eröffnen – etwa auf die Familiengeschichte oder auf eine Beziehung, über die schon oft gesprochen wurde. Wichtig ist, dass Sie Ihre Therapeutin oder Ihren Therapeuten darüber informieren, damit das Erlebte in der Therapie aufgegriffen werden kann.

Therapie als Weg nach einer Aufstellung

Umgekehrt kommt es vor, dass eine Aufstellung etwas berührt, das mehr Raum braucht, als eine einzelne Sitzung bieten kann. Alte Gefühle werden spürbar, Erinnerungen tauchen auf, oder es wird klar, dass ein Thema eine längere Begleitung verdient. Dann kann eine Psychotherapie der richtige nächste Schritt sein.

Mein Hintergrund: beide Perspektiven in einer Praxis

Ich habe 2015 die Prüfung als Heilpraktikerin für Psychotherapie beim Gesundheitsamt Berlin abgelegt und arbeite seitdem tiefenpsychologisch fundiert und psychoanalytisch orientiert. Die Aufstellungsarbeit kam später dazu: Von 2022 bis 2024 habe ich die Grundstufe bei Horst Brömer in Magdeburg absolviert, seit Mai 2024 bin ich in der Aufbaustufe bei eurasys in Berlin bei Martin Wölffer.

Diese doppelte Perspektive prägt meine Arbeit. Wenn jemand zu einer Aufstellung kommt, achte ich auch auf psychische Stabilität und darauf, ob das Anliegen eher eine längere Begleitung braucht. Und umgekehrt weiß ich aus der therapeutischen Arbeit, wie hilfreich ein Bild im Raum sein kann, wenn Worte an ihre Grenzen kommen. Wichtig ist mir dabei eine klare Trennung der Rahmen: Eine Aufstellung ist ein eigenes, abgeschlossenes Format. Ob daraus mehr wird, entscheiden Sie – nicht ich. Und wer bereits bei einer anderen Therapeutin oder einem anderen Therapeuten in Behandlung ist, muss diese Beziehung für eine Aufstellung nicht aufgeben.

Ein typisches Beispiel

Das folgende Beispiel ist frei zusammengesetzt und beschreibt keine reale Person.

Eine Frau Anfang fünfzig ist seit gut einem Jahr in Psychotherapie, weil sie sich seit dem Tod ihrer Mutter innerlich leer fühlt. Sie hat viel über ihre Kindheit verstanden, spürt aber eine unerklärliche Schwere, wenn sie an ihre Großmutter denkt, die sie kaum kannte. In Absprache mit ihrer Therapeutin kommt sie zu einer Einzelaufstellung. Im Bild zeigt sich, dass ihre Mutter immer zu einer leeren Stelle schaut – dorthin, wo ein früh verstorbenes Geschwisterkind gestanden hätte, über das in der Familie nie gesprochen wurde. Die Aufstellung beantwortet nicht alle Fragen. Aber sie gibt der Frau ein Bild, das sie in ihre Therapie mitnimmt und dort weiter bearbeitet.

Wie finde ich heraus, was zu mir passt?

Ein paar Fragen können bei der Orientierung helfen:

  • Haben Sie eine konkrete Frage, die Sie klären möchten – oder suchen Sie eine längere Begleitung?
  • Fühlen Sie sich im Moment stabil genug, um sich auf ein intensives Erleben einzulassen?
  • Geht es eher um ein Thema aus der Familie oder um Ihr eigenes Erleben im Alltag?
  • Sind Sie bereits in Behandlung, und wäre eine Aufstellung dort willkommen?

Sie müssen diese Fragen nicht allein beantworten. Im unverbindlichen Kennenlerngespräch schauen wir gemeinsam, ob eine Aufstellung für Ihr Anliegen sinnvoll ist oder ob ein anderer Weg besser passt. Wie ein Termin bei mir abläuft, erfahren Sie auf der Seite Ablauf. Ich arbeite auf Deutsch und auf Russisch in meiner Praxis in Berlin-Prenzlauer Berg; die Sitzungen sind für Selbstzahler:innen und Privatversicherte, an gesetzliche Krankenkassen wird nichts gemeldet.

Unsicher, welcher Weg der richtige ist?
Lassen Sie uns in einem Kennenlerngespräch gemeinsam schauen, was Ihr Anliegen braucht. Termin online buchen

Aufstellung und Psychotherapie sind keine Konkurrenten. Die eine zeigt ein Bild, die andere begleitet einen Weg. Manchmal braucht es das eine, manchmal das andere – und manchmal genau die Verbindung von beidem.

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