Familienaufstellungen BerlinNatalia Spurman · Prenzlauer Berg
Systeme & Methoden

Aufstellung für Beruf und Team: wenn das System die Arbeit ist

Viele Menschen verbringen mehr Zeit mit ihren Kolleg:innen als mit ihrer Familie. Kein Wunder, dass auch die Arbeit ein Ort ist, an dem sich Beziehungsmuster zeigen, Konflikte festfahren und Fragen auftauchen, die man allein nicht mehr sortiert bekommt. Eine berufliche Aufstellung – oft auch Organisationsaufstellung genannt – überträgt die Grundidee der Familienaufstellung auf das Arbeitsleben: Ihr Team, Ihre Rolle oder eine berufliche Entscheidung wird im Raum sichtbar gemacht, damit Sie einen neuen Blick darauf gewinnen.

Warum auch die Arbeit ein System ist

Ein System ist, vereinfacht gesagt, ein Gefüge von Elementen, die miteinander in Beziehung stehen. In einer Familie sind das Eltern, Kinder, Großeltern. Im Beruf sind es Vorgesetzte und Mitarbeitende, Kolleg:innen, Kund:innen, vielleicht Gründer:innen, die längst nicht mehr im Unternehmen sind. Aber auch weniger greifbare Elemente gehören dazu: das Ziel einer Abteilung, der Auftrag, die Firma als Ganzes, manchmal sogar das Geld.

Wie in Familien gibt es auch in Organisationen ungeschriebene Regeln: Wer darf etwas sagen? Wer trägt die Verantwortung, ohne dass es ausgesprochen wird? Wessen Leistung wird gesehen, wessen nicht? Wenn diese Regeln aus dem Gleichgewicht geraten, spüren das oft gerade die Menschen, die am wenigsten dafür können. Mehr über den Systembegriff erfahren Sie im Artikel Was ist eigentlich ein „System“?

Typische Anliegen für eine berufliche Aufstellung

Die Fragen, mit denen Menschen zu einer beruflichen Aufstellung kommen, sind vielfältig. Häufig geht es um:

  • Konflikte im Team: Es gibt Spannungen, die sich trotz Gesprächen nicht lösen, oder Sie geraten immer wieder mit derselben Person aneinander.
  • Die eigene Rolle: Sie wurden befördert und fühlen sich zwischen alten Kolleg:innen und neuer Verantwortung zerrissen – oder Sie übernehmen ständig Aufgaben, die eigentlich nicht Ihre sind.
  • Berufliche Entscheidungen: Bleiben oder gehen? Selbstständig machen? Eine neue Stelle annehmen? Mehr dazu finden Sie auch in Entscheidungen aufstellen: wenn der Kopf sich im Kreis dreht.
  • Selbstständigkeit: Das eigene Unternehmen wächst nicht, oder Sie spüren eine Blockade, ohne sie benennen zu können.
  • Familienunternehmen: Hier überlagern sich zwei Systeme – Familie und Firma – und mit ihnen Fragen von Nachfolge, Loyalität und Erwartungen.
  • Erschöpfung und Unzufriedenheit: Die Arbeit fühlt sich falsch an, obwohl „objektiv“ alles stimmt.

Wie eine berufliche Aufstellung im Einzelsetting abläuft

Für berufliche Themen arbeite ich meist im Einzelsetting. Das hat einen praktischen Vorteil: Ihre Kolleg:innen müssen weder davon wissen noch anwesend sein. Sie kommen allein in meine Praxis in Prenzlauer Berg, und wir arbeiten mit Figuren, Bodenankern oder Kissen.

Zu Beginn klären wir Ihr Anliegen. Eine gute Frage ist konkret und auf Sie bezogen – zum Beispiel: „Was hindert mich daran, in meinem Team Führung zu übernehmen?“ statt „Warum ist mein Chef so schwierig?“. Dann wählen wir die Elemente aus, die für die Frage wichtig sind: Sie selbst, bestimmte Personen, vielleicht das Ziel oder die Firma. Sie stellen diese Elemente so im Raum auf, wie es sich für Sie stimmig anfühlt.

Schon dieses erste Bild ist oft aufschlussreich. Wer steht nah beieinander, wer weit weg? Wohin schauen die Figuren? Wo stehen Sie selbst – mittendrin, am Rand, zwischen zwei Lagern? Im nächsten Schritt können Sie sich auf einzelne Bodenanker stellen und wahrnehmen, wie es sich dort anfühlt. Gemeinsam probieren wir Veränderungen aus: Was passiert, wenn Sie einen Schritt zurücktreten? Wenn das Ziel sichtbar wird? Wenn jemand einen Platz bekommt, der bisher übersehen wurde?

Ein typisches Beispiel

Ein zusammengesetztes, typisches Beispiel aus der Praxis: Eine Frau in leitender Position fühlt sich für die Stimmung im ganzen Team verantwortlich und kommt abends erschöpft nach Hause. In der Aufstellung zeigt sich, dass sie sich selbst zwischen die Teammitglieder und die Geschäftsführung stellt – wie ein Puffer. Als sie ausprobiert, sich neben das Team zu stellen statt davor, beschreibt sie Erleichterung, aber auch ein ungewohntes Gefühl. Im anschließenden Gespräch erkennt sie, dass ihr diese Pufferrolle aus ihrer Herkunftsfamilie vertraut ist. Solche Verbindungen zwischen Arbeit und Familie zeigen sich häufig – müssen es aber nicht.

Gute Fragen für eine berufliche Aufstellung

Wie gut eine Aufstellung trägt, hängt viel von der Frage ab, mit der Sie kommen. Hilfreich ist ein Anliegen, das Sie selbst betrifft und bei dem Sie spüren: Hier möchte ich etwas verstehen oder verändern. Einige Beispiele, wie solche Fragen klingen können:

  • „Wo ist mein Platz in diesem Team – und wo möchte ich stehen?“
  • „Was hält mich in dieser Stelle, obwohl ich längst gehen will?“
  • „Was steht zwischen mir und meinem beruflichen Ziel?“
  • „Wie kann ich meine neue Leitungsrolle annehmen, ohne meine alten Kolleg:innen zu verlieren?“
  • „Was bedeutet es für mich, den Familienbetrieb nicht zu übernehmen?“

Weniger geeignet sind Fragen, die eine Vorhersage verlangen („Wird das Projekt erfolgreich?“) oder die darauf zielen, andere Menschen zu durchschauen. Eine Aufstellung ist kein Orakel. Sie kann aber zeigen, wie Sie innerlich zu einer Situation stehen – und welche Bewegung sich für Sie stimmig anfühlt. Wenn Sie noch keine klare Frage haben, ist das kein Problem: Oft entsteht sie erst im Gespräch zu Beginn der Sitzung. Manchmal ist schon das Formulieren des Anliegens ein wichtiger Schritt, weil dabei deutlich wird, worum es eigentlich geht.

Wenn Beruf und Familie sich überlagern

Berufliche Muster haben oft Wurzeln, die weiter zurückreichen. Wer als Kind gelernt hat, sich unsichtbar zu machen, tut sich vielleicht schwer, im Meeting das Wort zu ergreifen. Wer früh Verantwortung für Geschwister übernehmen musste, findet sich möglicherweise auch im Büro in der Rolle wieder, für alle zu sorgen. Und manchmal steht hinter einem beruflichen Weg ein unausgesprochener Auftrag der Familie: das zu erreichen, was den Eltern verwehrt war, oder den Betrieb weiterzuführen, obwohl man eigentlich etwas anderes möchte.

Eine berufliche Aufstellung kann solche Zusammenhänge sichtbar machen. Wir entscheiden dann gemeinsam, ob es sinnvoll ist, den Blick zu weiten und auch Familienmitglieder aufzustellen – oder ob es beim beruflichen System bleibt.

Was eine berufliche Aufstellung nicht leisten kann

Offen und transparent gesagt: Eine Aufstellung ist keine Unternehmensberatung, keine Rechtsberatung und kein Ersatz für ein klärendes Gespräch mit den Beteiligten. Sie zeigt Ihr inneres Bild Ihrer Arbeitssituation – nicht die „objektive Wahrheit“ über Ihre Kolleg:innen. Was andere Menschen tatsächlich denken oder fühlen, kann keine Aufstellung beantworten.

Auch die Forschungslage zu Aufstellungen ist begrenzt. Ich verstehe die Methode als erfahrungsorientiertes Werkzeug, das neue Perspektiven eröffnen kann. Ob und wie Sie diese Perspektiven in Ihren Arbeitsalltag übertragen, liegt bei Ihnen. Wenn Sie unter starker Erschöpfung oder anhaltenden Belastungssymptomen leiden, ist es außerdem wichtig, das ärztlich oder psychotherapeutisch abklären zu lassen.

Praktisches: Dauer, Kosten, Sprache

Für eine berufliche Aufstellung empfehle ich meist eine Sitzung von 90 Minuten (120 €), damit genug Zeit für das Anliegen, die Aufstellung selbst und die Nachbesprechung bleibt. Möglich sind auch 55 Minuten (90 €) oder 120 Minuten (160 €). Einzelsitzungen finden derzeit sonntags zwischen 9 und 17 Uhr statt – praktisch, wenn es unter der Woche schwierig ist, sich freizunehmen. Alle Details finden Sie auf der Seite Kosten.

Ich arbeite ausschließlich mit Selbstzahler:innen; es wird nichts an Krankenkassen gemeldet. Für viele ist gerade das bei beruflichen Themen wichtig. Die Sitzungen sind auf Deutsch oder Russisch möglich.

Ihre Arbeitssituation einmal von außen sehen
In einem unverbindlichen Kennenlerngespräch klären wir, ob eine berufliche Aufstellung zu Ihrem Anliegen passt. Einzelsitzung online buchen

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