Familienaufstellungen BerlinNatalia Spurman · Prenzlauer Berg
Systeme & Methoden

Als Stellvertreter:in dabei: Was man bei einem Aufstellungstag erlebt

Viele Menschen sind neugierig auf Familienaufstellungen, möchten aber nicht gleich ihr eigenes Thema in eine Gruppe bringen. Für sie gibt es einen guten Einstieg: als Stellvertreterin oder Stellvertreter an einem Aufstellungstag teilzunehmen. Sie sind dann mitten im Geschehen, übernehmen Rollen in den Aufstellungen anderer und erleben die Methode von innen – bei mir ohne Teilnahmegebühr. In diesem Artikel beschreibe ich, was Sie als Stellvertreter:in erwartet, was Sie dafür mitbringen sollten und wie Sie gut für sich sorgen.

Was macht eine Stellvertreterin oder ein Stellvertreter?

In einer Gruppenaufstellung bringt eine Person ein Anliegen mit, zum Beispiel eine Frage zur Beziehung mit dem Vater, zu einer Entscheidung oder zu einem wiederkehrenden Muster. Diese Person wählt aus der Gruppe Menschen aus, die bestimmte Elemente ihres Anliegens vertreten: Familienmitglieder, sich selbst, manchmal auch etwas Abstraktes wie „die Angst“, „den Beruf“ oder „das Ziel“. Sie führt die Stellvertretenden an einen Platz im Raum, so wie es sich für sie stimmig anfühlt.

Als Stellvertreter:in stehen Sie dann an diesem Platz und achten darauf, was Sie wahrnehmen. Sie müssen nichts spielen, nichts darstellen und nichts über die vertretene Person wissen. Ihre Aufgabe ist eigentlich ganz einfach: aufmerksam sein und auf Nachfrage beschreiben, was Sie bemerken. Das können Körperempfindungen sein, Gefühle, Impulse, sich zu bewegen, oder ein Gefühl von Nähe und Distanz zu anderen im Raum.

Wie ein Aufstellungstag abläuft

Meine Aufstellungstage finden samstags von 9 bis 15 Uhr in meiner Praxis in Berlin-Prenzlauer Berg statt. Jeder Tag hat ein Thema, das den Rahmen gibt. 2026 sind das am 31. Oktober „Ich lebe glücklich und frei“, am 28. November „Ich und meine Familie“ und am 19. Dezember „Ich und meine Glaubenssätze“. Alle aktuellen Termine finden Sie auf der Seite Aufstellungstage.

Der Tag beginnt mit einem Ankommen in der Runde. Wir lernen uns kurz kennen, ich erkläre den Ablauf und die wichtigsten Vereinbarungen, vor allem zur Vertraulichkeit. Danach folgen nacheinander die Aufstellungen der Teilnehmenden, die mit einem eigenen Thema gekommen sind. Zwischen den Aufstellungen gibt es Pausen und Zeit zum Austausch. Am Ende schließen wir den Tag gemeinsam ab, sodass alle gut wieder in ihren Alltag gehen können.

Als Stellvertreter:in sind Sie den ganzen Tag dabei. Manchmal werden Sie mehrmals gewählt, manchmal nur einmal oder gar nicht. Auch wenn Sie nicht im Feld stehen, sind Sie Teil der Gruppe: Sie beobachten, sind präsent und tragen durch Ihre Aufmerksamkeit zu einem ruhigen, konzentrierten Rahmen bei.

Wie es sich anfühlt, gewählt zu werden

Viele Menschen erzählen, dass sie beim ersten Mal etwas aufgeregt sind. Was, wenn ich nichts spüre? Was, wenn ich etwas „falsch“ mache? Diese Sorge ist verständlich und völlig in Ordnung. Wenn Sie gewählt werden, legt die Person, die aufstellt, oft kurz die Hände auf Ihre Schultern und führt Sie an Ihren Platz. Dann treten alle anderen zurück, und Sie haben einen Moment Zeit, anzukommen.

Oft verändert sich nach kurzer Zeit etwas. Manche Menschen spüren eine Schwere in den Beinen, einen Druck auf der Brust oder einen starken Wunsch, sich wegzudrehen. Andere fühlen sich plötzlich groß, klein, müde, wütend oder sehr ruhig. Manche bemerken, dass sie eine Person im Raum kaum ansehen können, zu einer anderen aber hingezogen sind. Und manchmal spürt man auch einfach nicht viel. Auch das ist eine Information, die etwas aussagen kann.

Warum Stellvertretende überhaupt etwas wahrnehmen, das mit dem Anliegen einer fremden Person zusammenhängt, ist wissenschaftlich nicht geklärt. Ich gehe damit offen um: Es ist eine Erfahrung, die viele Menschen machen, für die es aber bisher keine gesicherte Erklärung gibt. Mehr dazu lesen Sie im Artikel über repräsentierende Wahrnehmung.

Muss ich als Stellvertreter:in etwas können?

Nein. Sie brauchen keine Vorerfahrung und kein Wissen über Aufstellungen. Hilfreich ist eine gewisse Bereitschaft, sich auf Ungewohntes einzulassen, und die Fähigkeit, aufmerksam bei sich selbst zu bleiben. Es geht nicht darum, etwas Besonderes oder Dramatisches zu erleben. Sie müssen nichts deuten und nichts „richtig“ machen. Ich frage nach, und Sie beschreiben, was da ist, in Ihren eigenen Worten.

Wichtig ist auch: Sie dürfen ablehnen. Wenn Sie gewählt werden und merken, dass Sie eine bestimmte Rolle gerade nicht übernehmen möchten – etwa weil das Thema Ihnen zu nah geht –, können Sie das sagen. Das ist kein Problem und wird respektiert. Ebenso können Sie während einer Aufstellung jederzeit signalisieren, dass Sie eine Pause brauchen.

Gut für sich sorgen: die Rolle annehmen und wieder ablegen

Eine Stellvertretung ist eine vorübergehende Rolle. Sie stellen Ihre Wahrnehmung für eine gewisse Zeit zur Verfügung, aber Sie bleiben dabei immer Sie selbst. Am Ende einer Aufstellung achte ich darauf, dass alle Stellvertretenden ihre Rolle bewusst wieder ablegen. Dazu gehört zum Beispiel, den eigenen Namen zu sagen, aus dem Platz herauszutreten, sich kurz zu bewegen oder abzuschütteln, was nicht zu einem selbst gehört.

Manchmal hallt eine Rolle noch etwas nach – ein Gefühl, eine Erinnerung, die angestoßen wurde. Das ist normal. In den Pausen und in der Abschlussrunde ist Raum, darüber zu sprechen. Wenn eine Rolle etwas Eigenes in Ihnen berührt hat, kann das ein Hinweis auf ein Thema sein, das Sie später vielleicht selbst einmal anschauen möchten. Ob und wann, entscheiden Sie.

Was Stellvertretende für sich mitnehmen können

Auch ohne eigenes Anliegen kann ein Aufstellungstag für Sie persönlich bedeutsam sein. Manche Menschen erkennen in den Geschichten anderer etwas aus ihrer eigenen Familie wieder. Andere lernen, ihre Körperwahrnehmung feiner zu spüren, oder erleben, wie es ist, eine Rolle einzunehmen, die ganz anders ist als ihr Alltag – etwa einmal die strenge Großmutter oder der abwesende Vater zu sein. Und viele finden es schlicht wertvoll, die Methode kennenzulernen, bevor sie selbst eine Aufstellung machen.

Eine Garantie, dass Sie etwas Bestimmtes erleben oder mitnehmen, gibt es nicht. Aber Sie können in Ruhe herausfinden, ob Aufstellungsarbeit etwas für Sie ist – ohne Druck und ohne eigenes Thema im Mittelpunkt.

Ein typisches Beispiel

Die folgende Schilderung ist ein zusammengesetztes, typisches Beispiel und beschreibt keine reale Person. Ein Mann Anfang dreißig kommt zum ersten Mal als Stellvertreter. Er wird gewählt, um in der Aufstellung einer anderen Teilnehmerin deren Bruder zu vertreten. Zunächst merkt er wenig. Nach einiger Zeit fällt ihm auf, dass er immer wieder zur Tür schaut und den Impuls hat, den Raum zu verlassen. Als ich ihn frage, beschreibt er genau das.

Für die Teilnehmerin, die aufstellt, ist das ein bewegender Moment, weil ihr Bruder in der Familie tatsächlich oft „auf dem Sprung“ war. Für den Stellvertreter selbst ist es überraschend, wie deutlich er etwas wahrnehmen konnte, das gar nicht zu ihm gehörte. Nach der Aufstellung legt er die Rolle bewusst ab und sagt in der Abschlussrunde, dass er neugierig geworden sei, wie sich das Gleiche einmal mit einem eigenen Thema anfühlen würde.

Häufige Fragen zur Teilnahme als Stellvertreter:in

Kostet die Teilnahme etwas?

Nein. Als Stellvertreter:in nehmen Sie bei meinen Aufstellungstagen kostenfrei teil. Wenn Sie ein eigenes Thema aufstellen möchten, beträgt der Preis 180 Euro. Alle Preise finden Sie auf der Seite Kosten.

Was ist mit Vertraulichkeit?

Alles, was an einem Aufstellungstag über die Anliegen und Familien anderer erzählt wird, bleibt in der Gruppe. Das gilt für alle Teilnehmenden gleichermaßen und ist Teil der Vereinbarungen zu Beginn des Tages.

Was sollte ich mitbringen?

Bequeme Kleidung, etwas zu trinken und eine Kleinigkeit zu essen für die Pausen. Und die Bereitschaft, sich auf einen Tag einzulassen, der berühren kann. Planen Sie nach Möglichkeit für den Rest des Tages nichts allzu Anstrengendes ein.

Kann ich später doch noch ein eigenes Thema einbringen?

Ja. Viele Menschen kommen zunächst als Stellvertreter:in, um die Methode und die Gruppe kennenzulernen, und entscheiden sich später für ein eigenes Anliegen – an einem der nächsten Aufstellungstage oder im Einzelsetting. Wenn während des Tages ein Thema in Ihnen auftaucht, müssen Sie nicht sofort handeln. Oft ist es gut, das Erlebte erst einmal ein paar Tage wirken zu lassen und dann in Ruhe zu überlegen, was Sie sich wünschen. Gern können wir darüber auch in einem Kennenlerngespräch sprechen.

Ist das für mich geeignet, wenn es mir gerade nicht gut geht?

Wenn Sie sich in einer akuten Krise befinden oder sehr belastet sind, ist ein Aufstellungstag nicht der richtige Rahmen – auch nicht als Stellvertreter:in. Sprechen Sie mich in diesem Fall vorher gern an. Ob für Sie eher eine Gruppe oder ein Einzeltermin passt, beschreibe ich ausführlicher im Artikel Gruppe oder Einzelsetting.

Als Stellvertreter:in dabei sein
Die Plätze an den Aufstellungstagen sind begrenzt. Bitte melden Sie sich vorher an – auch wenn Sie ohne eigenes Thema kommen. Platz am Aufstellungstag reservieren

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