Wie bereite ich mich auf meine erste Aufstellung vor?
Vor der ersten Aufstellung sind viele Menschen aufgeregt – und das ist völlig normal. Sie wissen nicht genau, was auf sie zukommt, und fragen sich, ob sie „gut genug vorbereitet“ sind. Die gute Nachricht vorweg: Sie müssen nichts leisten. Eine gewisse Vorbereitung auf die Aufstellung kann aber helfen, dass Sie mit mehr Ruhe und Klarheit in die Sitzung oder den Seminartag gehen. Hier finden Sie, was sich aus meiner Erfahrung bewährt hat.
Schritt 1: Das Kennenlerngespräch nutzen
Am Anfang steht bei mir immer ein unverbindliches Kennenlerngespräch. Es dient dazu, dass wir uns kennenlernen, dass Sie Ihre Fragen stellen können und dass wir gemeinsam einschätzen, ob eine Aufstellung zu Ihrem Anliegen und Ihrer aktuellen Lebenssituation passt. Sie können dort auch klären, ob für Sie eher eine Einzelsitzung oder ein Aufstellungstag in der Gruppe infrage kommt – eine Entscheidungshilfe dazu bietet der Artikel Gruppe oder Einzelsetting: Welche Aufstellung passt zu mir?
Notieren Sie sich vorher ruhig alles, was Sie wissen möchten. Es gibt keine dummen Fragen – auch nicht „Was ist, wenn ich nichts spüre?“ oder „Was ziehe ich an?“.
Schritt 2: Ihr Anliegen für die Aufstellung finden
Das Wichtigste, was Sie mitbringen, ist Ihr Anliegen. Es muss noch nicht perfekt formuliert sein; wir schärfen es zu Beginn gemeinsam. Trotzdem lohnt es sich, vorher ein wenig darüber nachzudenken. Diese Fragen können helfen:
- Was beschäftigt mich gerade am meisten?
- Was wiederholt sich in meinem Leben, obwohl ich es anders möchte?
- Was soll sich nach der Aufstellung anders anfühlen – für mich, nicht für die anderen?
- Woran würde ich merken, dass sich etwas bewegt hat?
Ein hilfreiches Anliegen ist auf Sie selbst bezogen. „Ich möchte verstehen, warum ich mich in der Nähe meiner Mutter so klein fühle“ trägt weiter als „Meine Mutter soll sich ändern“. Denn verändern können wir in einer Aufstellung nur Ihren Blick und Ihren inneren Platz – nicht andere Menschen.
Schritt 3: Informationen über die Familie sammeln
Für eine Familienaufstellung sind einige Fakten über Ihre Herkunftsfamilie nützlich. Sie müssen keinen Stammbaum zeichnen, aber es hilft, folgende Punkte zu kennen oder bei Angehörigen nachzufragen, falls das möglich ist:
- Wer gehört zur Familie: Eltern, Geschwister, Großeltern, eventuell Halbgeschwister?
- Gab es frühe Todesfälle, Fehlgeburten oder verstorbene Kinder?
- Gab es frühere Partner:innen der Eltern oder Großeltern?
- Gibt es Menschen, über die nicht gesprochen wurde oder die ausgeschlossen wurden?
- Gab es Krieg, Flucht, Vertreibung oder Migration?
- Gab es schwere Krankheiten, Sucht oder große Schicksalsschläge?
Wenn Sie vieles nicht wissen, ist das kein Hindernis. Gerade in Familien mit Migrations- oder Kriegsgeschichte gibt es oft große Lücken. Auch das „Nicht-Wissen“ ist eine Information, mit der wir arbeiten können. Bitte setzen Sie sich nicht unter Druck, und drängen Sie Angehörige nicht zu Gesprächen, die für sie schmerzhaft sind.
Schritt 4: Den Tag praktisch planen
Aufstellungen im Einzelsetting finden derzeit sonntags zwischen 9 und 17 Uhr in meiner Praxis in der Schliemannstraße 41 in Prenzlauer Berg statt. Die Aufstellungstage in der Gruppe sind sonntags von 9 bis 17 Uhr. Ein paar praktische Hinweise:
- Bequeme Kleidung: Sie werden stehen, gehen, sich vielleicht auf den Boden setzen.
- Wasser und für den Seminartag einen Snack: Konzentrierte innere Arbeit macht oft hungriger, als man denkt.
- Pünktlich und ohne Zeitdruck kommen: Planen Sie lieber etwas Puffer ein, damit Sie nicht gehetzt ankommen.
- Danach nichts Großes vornehmen: Gönnen Sie sich nach der Aufstellung Zeit – einen Spaziergang, einen ruhigen Abend.
Sie können frei wählen, ob die Sitzung auf Deutsch oder Russisch stattfindet. Manche Menschen merken, dass bestimmte Familienthemen in der Sprache, in der sie erlebt wurden, anders zugänglich sind.
Was Sie nicht vorbereiten müssen
Manche Menschen bereiten sich so gründlich vor, dass sie mit seitenlangen Notizen kommen. Das ist nicht nötig. Sie müssen weder Fachbegriffe kennen noch Bücher über Aufstellungen gelesen haben. Sie müssen auch nicht wissen, wie Sie sich in der Aufstellung „richtig“ verhalten – ich begleite Sie durch jeden Schritt und erkläre, was als Nächstes kommt.
Ebenso wenig müssen Sie sich vornehmen, möglichst viel zu fühlen. Manche Menschen spüren in einer Aufstellung sofort starke Regungen, andere nehmen eher feine Veränderungen wahr, etwa im Atem oder in der Körperhaltung. Beides ist wertvoll. Und wenn Sie bei einem Aufstellungstag als Stellvertreter:in gefragt werden, gilt dasselbe: Sie sagen einfach, was Sie wahrnehmen – auch wenn das „nichts Besonderes“ ist.
Schließlich müssen Sie niemandem aus Ihrer Familie davon erzählen. Ob Sie das später tun möchten, entscheiden Sie selbst.
Schritt 5: Die eigene Haltung
Die vielleicht beste Vorbereitung ist eine offene, neugierige Haltung. Versuchen Sie, nicht schon vorher festzulegen, was herauskommen „soll“. Oft zeigt sich in einer Aufstellung etwas anderes, als man erwartet hat – und gerade das kann aufschlussreich sein.
Gleichzeitig dürfen Sie skeptisch sein. Aufstellungen sind eine erfahrungsorientierte Methode mit begrenzter wissenschaftlicher Studienlage, und niemand kann Ihnen ein bestimmtes Ergebnis zusagen. Sie behalten jederzeit die Kontrolle: Sie können Fragen stellen, eine Pause einlegen oder etwas ablehnen, das sich nicht stimmig anfühlt. Wie eine Sitzung genau aufgebaut ist, lesen Sie auf der Seite Ablauf.
Wann eine Aufstellung gerade nicht passt
Eine Aufstellung kann aufwühlen. Wenn Sie sich in einer akuten Krise befinden, gerade einen frischen schweren Verlust erlitten haben oder sich sehr instabil fühlen, ist ein anderer Zeitpunkt oder eine andere Form der Unterstützung oft sinnvoller. Eine Aufstellung ist keine Krisenintervention. In akuten Notlagen erreichen Sie den Krisendienst Berlin unter 030 390 63 00 und die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111. Auch das besprechen wir offen im Kennenlerngespräch.
Und nach der Aufstellung?
Was in einer Aufstellung sichtbar wurde, wirkt häufig noch Tage oder Wochen nach. Es ist hilfreich, das nicht sofort zu zerreden oder zu analysieren, sondern ihm Raum zu lassen. Wie Sie gut mit dieser Phase umgehen, beschreibe ich im Artikel Nach der Aufstellung: Wie sich Erlebtes setzen darf.
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